Die nächste Generation von Gamer*innen

15. August 2018 0 Von metagamer

Denke ich zurück an meine ersten Gaming-Erfahrungen, sehe ich mich auf der Rückbank im Auto meiner Eltern sitzen. Ich bin acht oder neun Jahre alt. Draußen ist es dunkel und wohin wir fahren, weiß ich nicht. Vertieft starre ich in meinen Gameboy-Color und radle mit dem Fahrrad die Route 16 rauf und runter, auf der Suche nach einem Dodu — dem letzten Pokémon, das mir damals noch fehlte. Den Gameboy muss ich zum Fenster hin halten, um das Licht jeder Straßenlaterne mitzunehmen, denn nur mit Mühe kann ich etwas auf dem Display erkennen.
Meinen Eltern fiel es damals, wie heute schwer meine Begeisterung für Videospiele nachzuvollziehen. Anderen Eltern wird es ähnlich ergangen sein. Und wie viele Kinder, habe auch ich versucht es ihnen verständlich zu machen. Ich reichte ihnen meinen Controller, erklärte die wichtigen Tasten und schaute dabei zu, wie sie mit dem Charakter unbeholfen gegen die Wand steuerten. Spätestens da war mir klar, dass sie es nie verstehen würden. Stattdessen war ich mir sicher, dass meine Kinder es später einmal anders haben würden. Ich gehörte schließlich zu einer der ersten Generationen, die mit Videospielen aufwachsen. Ich weiß wie es ist sich in virtuellen Welten zu verlieren und gemeinsam werden meine Kinder und ich auf der Couch sitzen und im Splitscreen Koop spielen.
Heute denke ich anders. Heute merke ich, dass ich fast genauso unbeholfen dastehe und jüngeren beim spielen zusehe, wie meine Eltern es damals bei mir taten. Kinder habe ich keine, aber ich sehe, dass es einen Bruch der Generationen gibt. Als ich Spiele spielte, tauchte ich in Welten ein und erlebte dabei unvergessliche Momente. Als Pilot behauptete ich mich in Spielen wie The Descent und Fantasy Zone. Später kämpfte ich in der Rolle von Dante gegen riesige Dämonenhorden oder rettete als Sam Fisher die Welt vor Terroristen. Die Begeisterung für Geschichten dieser Art begleitet mich bis heute. In vielen modernen Spielen scheint dieses Erlebnis allerdings verloren zu gehen.
Der Fokus liegt jetzt darauf, sich im Online-Multiplayer mit anderen Spielern zu messen. Klar gibt hier und da noch das ein oder andere Singleplayer-Spiel, das sich aufgrund seiner Story durchsetzt, doch sind es verständlicherweise bei weitem nicht mehr so viele, wie noch vor einigen Jahren. Gamer von heute wachsen stattdessen mit einem deutlich intensiveren kompetitiven Charakter auf. Dies bedeutet nicht automatisch, dass es schlecht sei. Deutlich wird das, wenn man sieht, was sich daraus entwickelt hat — E-Sports.
Die Welt des Gamings wird komplexer. Spiele wie League of Legends, Fortnite oder Overwatch haben einen anderen Anspruch. Einen Anspruch der anders genug ist, damit Eltern, die mit Gaming aufgewachsen sind, jegliches Verständnis verlieren und hinter ihren Kindern stehen und sagen: “Also bei uns damals ging es um mehr als nur sinnloses rumgeballer…”