esport, eSport und Esport – oder doch eGaming?

5. November 2018 0 Von metagamer

Erst kürzlich gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Entscheidung bekannt, eSport* nicht als Sport anzuerkennen. Verbände der Szene sowie Spieler*innen kritisieren diesen Beschluss aufs Schärfste und fühlen sich damit nicht Ernst genommen.

Nun mag es Gründe geben, die sowohl für als auch gegen die Entscheidung des DOSB sprechen und auch wenn ich persönlich eine Meinung zu dem Thema habe, wird diese Gegenstand eines kommenden Beitrages sein müssen. Worauf ich jedoch eingehen möchte, ist der Vorschlag des DOSB eSport von nun an eGaming zu nennen. “Schlechter Scherz” mag sich der ein oder andere vielleicht denken. Denn, dass der Begriff eGaming von einem DOSB-Mitglied stammen muss, welches es offensichtlich geschafft hat, den Kontakt zu Videospielen zu meiden, lässt sich klar erkennen.

Gaming ist nicht eSport

Es gibt zwei gute Gründe, die gegen den Begriff eGaming sprechen. Der erste ist, dass Gaming etwas anderes bezeichnet als eSport. Gemeinhin versteht sich Gaming viel mehr als Oberbegriff und könnte frei Hand als die hingebungsvolle Interaktion mit Videospielen verstanden werden. Bei eSport hingegen handelt es sich um einen sportlichen Wettkampf, der mit Hilfe von Videospielen ausgetragen wird. ESports fällt definitiv unter den Bereich Gaming, nur finden sich dort eben noch jede Menge andere Dinge, die nicht zum eSport gehören, wie etwa “Casual Gaming”, “Speedruns” und andere. Auch wenn es sich bei eSport also um Gaming handelt, ist nicht alles was zu Gaming zählt gleich eSport. Analog kann man sagen, dass jeder Sportwagen ein Auto ist. Trotzdem erkennen wir, dass es sich nicht bei jedem Auto um einen Sportwagen handelt.

Gaming und eGaming

Der zweite Grund, der gegen eGaming spricht, liegt im Präfix “e-”. Das Präfix “e-” wird nämlich immer dann verwendet, wenn etwas mit analoger Bedeutung auch in digitaler Form vorkommt. Beispiele hierfür wären E-Commerce oder E-Mail. Mit der Entwicklung des Internets und den damit verbundenen Möglichkeiten zur einfachen Datenübertragung macht es durchaus Sinn den Begriff zum analogen Versenden von Nachrichten (Mail), digital zu besetzen und ihn mit einem “e-” zu versehen. Der Begriff “eGaming” setzt somit voraus, dass es “Gaming” bereits mit analoger Bedeutung gäbe. Was dies jedoch sein soll, kann ich nicht beantworten. Schließlich klingt es schlicht absurd, “Gaming” für analoges spielen zu verwenden — etwa bei Kindern, die auf dem Spielplatz gamen… Ich hoffe, dass diese zwei Gründe vorerst ausreichen, um zu verdeutlichen wie lächerlich der Vorschlag zur Umbenennung eigentlich ist.

esport, eSport oder Esport – Welche Schreibweise ist die richtige?

Nachdem eGaming nun vom Tisch ist, bleibt noch zu klären, wie eSport denn nun eigentlich geschrieben werden sollte. Seit einigen Jahren taucht der Begriff immer häufiger in den Medien auf. Besonders auffallend ist dabei die Vielfalt der Schreibweise. Um dem etwas entgegen zu wirken, legt der Associated Press Report 2017 (APR17)  “esport” als korrekte Schreibweise fest. Seitdem ziehen eifrige Verfechter*innen dieser Entscheidung ins Land und korrigieren die abweichende Schreibung der Unwissenden auf social network-Plattformen und Foren. Die Festlegung des APR17 mag durchaus sinnvoll sein und soll von mir auch nicht angegriffen werden. Was ich jedoch für fragwürdig halte, ist, einen Beschluss, der sich auf die englische Sprache bezieht, unreflektiert auf die Deutsche zu übernehmen. Der Duden führt bereits einige Begriffe mit dem Präfix “e-”, wie etwa die bereits erwähnten Worte E-Commerce und E-Mail. Nun habe ich nicht den Anspruch zu behaupten, dass E-Sport oder Esport die einzig richtige Schreibweise wäre und alles andere falsch ist, jedoch halte ich es schlichtweg für logisch, sich auch bei Wortneuschöpfungen an bereits bestehenden Begriffen zu orientieren und nicht alle Regeln über Bord zu werfen. “eSport” am Satzanfang wäre “ESport” und wirkt etwas unförmig. Und auch eingedeutschte Fremdwörter werden in der Regel im Satz großgeschrieben. Warum es also nicht der guten E-Mail (oder Email) gleichtun und es E-Sport (oder Esport) schreiben? Die Schreibung wirkt auf den ersten Blick komisch. Ja, auf mich auch. Aber machen wir die deutsche Sprache doch nicht schwieriger, als sie ohnehin schon ist.

 

*Bis ich mich der angemessenen Schreibweise von Esport widmen kann, werde ich für den weiteren Verlauf des Beitrages die Schreibweise ESBD übernehmen.